Das Handbuch
Inhalt:
1. Handbuch
Wie erzeugt ein Ornithopter - trotz wechselnder Schlagrichtung - Schub und Auftrieb? Im Handbuch wird die Antwort aufbauend auf bekannte Forschungsergebnisse gegeben. Neben den aerodynamischen Eigenschaften von Auf- und Abschlag kommt auch die Dynamik des Schlagflügels zur Sprache. Die Zusammenhänge werden mit Hilfe von Gleichungen und Diagrammen beschrieben. Damit lassen sich eigene Berechnungen durchführen und Schlagflügel mit ihrem Antrieb gezielt entwickeln. Das Ganze ist mit nützlichen Hinweisen aus der Ornithopter-Modellflugpraxis angereichert.
Die dargelegten, relativ einfachen Gleichungen für veränderliche Zirkulations- verteilungen ermöglichen es, die Auftriebsverteilung zu variieren und die jeweils dazugehörige Flügelverwindung zu ermitteln.
Das Ornithopterthema reicht auch in das Fachgebiet der Bionik. Es wird ja versucht, durch Verstehen biologischer Flügelgestaltungsprinzipien flugfähige Ornithopter zu entwickeln.
Sie können sich hier das Handbuch (Version 6.1) und die dazugehörigen Fotos herunter laden.
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2. Schlagflügelberechnung
unter der Voraussetzung quasistationärer Bedingungen
Die Gleichungen aus dem Handbuch werden in den verschiedenen Orni- Rechenprogrammen angewendet. Dabei liegt folgendes Rechnungsschema zu Grunde.
Zunächst wird der Schlagflügel gedanklich in Streifen mit sehr kleiner Spannweite unterteilt. Dann berechnet man für jeden dieser Flügelabschnitte die aerodynamischen Kräfte unter stationären bzw. konstanten Anströmbedingungen. Deren Summe ergibt sich durch numerische Integration über die ganze Spannweite.
Auf diese Weise erhält man die Gesamtgröße von Auftrieb und Vortrieb des Schlagflügels zu einem bestimmten Zeitpunkt der Schlagperiode. Auch die dazugehörige Flügelverwindung, der Profil- und der induzierte Widerstand lassen sich im Zuge dieses Rechenschemas ermitteln.
Dieses Verfahren wird in gleichmäßigen Zeitabständen der Flügelschlagbewegung wiederholt. Dabei legt man jeweils die geänderten Einflussgrößen wie z.B. die Zirkulationsverteilung, die Anströmbedingungen und die Flügel-V-Stellung zu Grunde. Gleichzeitig werden stationäre Bedingungen vorausgesetzt. Es wird also angenommen, dass sich die Strömung innerhalb des Zeitschrittes der Berechnung nicht ändert. Auch instationäres Strömungsverhalten bleibt unberücksichtigt.
Auf diese Weise - also durch Aneinanderreihung unterschiedlicher, stationärer Zustände - ergibt sich der zeitliche Kraftverlauf unter quasistationären Bedingungen.
Die Kraft einer ganzen Schlagbewegung erhält man durch numerische Integration des Kraftverlaufes über die betrachtete Zeitspanne. Auf- und Abschlag des Flügels behandelt man dabei im Bedarfsfall getrennt. Zum Schluss führt die Zusammenfassung der Kräfte von Auf- und Abschlag zu den Gesamtkräften einer ganzen Schlagperiode.
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Schlagfrequenz und
das Gewicht der Vögel
von
Heinrich Hertel
Laut
Erich von Holst führt
die quasistationäre Methode aber nur beim schnellen
Vorwärtsflug mit relativ kleinen Schlagfrequenzen zu brauchbaren
Ergebnissen (große Vögel). Andernfalls werden die
Einflüsse durch instationäres Strömungsverhalten zu
groß. Neuere Veröffentlichungen bestätigen diese
Einschränkung, beispielsweise auch folgende Analyse von M. Neef.
3. Forschungsergebnis
Dr.-Ing. Matthias F. Neef hat in seiner Dissertation Analyse des
Schlagfluges durch numerische Strömungsberechnung
die
instationäre Strömung um einen bewegten Flügel untersucht.
Dabei gelangte er zu einem gleichartigen Wirbelsystem wie vorstehend
abgebildet. Sein Bild mit einen zeitlich sinusförmigen
Schlagbewegungsablauf ist aber genauer und detaillierter.
Die Dissertation enthält eine Übersicht zum Schlagflug und weitere hochinteressante Bilder (siehe Weblink 1 und 2).
4. Der Randwirbel des Schlagflügels
Die oben abgebildeten Isolinien der Zirkulation
eines
Schlagflügels kann man sich auch als einzelne Wirbelfäden
vorstellen.
Nebeneinander liegende Wirbelfäden mit gleicher Zirkulationsrichtung verdrillen sich in der Nachlaufströmung des Flügels in ihrem gemeinsamen Zentrum zu einem einzigen Wirbel.
Auf diese Weise bildet der größte Teil der Wirbelfäden einer Flügelseite gemeinsam den Flügelrandwirbel. Sein Ansatzpunkt an der Schlagflügelhinterkante bewegt sich während einer Schlagperiode hin und her - insbesondere während des Aufschlags. Das hinter dem Schlagflügel zurückbleibende Wirbelband zeigt daher in regelmäßigen Abständen seitliche Einschnürungen.
Auch bei Vögeln die mit dem Auftrieb fliegen wurde die seitliche Bewegung
des Wirbelansatzpunktes an der Flügelhinterkante schon festgestellt
(siehe
Weblink 3, Fig. 1).
5. Der Formationsflug der Vögel
In V-förmig gestaffelten Flugformationen von Vögeln tritt bei den einzelnen Individuen eine messbare Leistungsersparnis auf. Sie kommt insbesondere infolge aerodynamischer Beeinflussungen zustande. Mit Hilfe der Schlagflügeltheorie eines Ornithopters kann man Rückschlüsse auf die Wirkungsweise der Energieeinsparung ziehen.
Im Zusammenhang mit seinem Auftrieb erzeugt der voraus fliegende Vogel an seinen beiden Flügelenden zwangsläufig je einen Flügelrandwirbel. Für ihn bedeuten sie einen Energieverlust. Der ist insbesondere bei Vögeln mit hoher Flächenbelastung und kurzen, zugespitzten Flügelformen relativ hoch. Der nachfolgende Vogel kann aber versuchen, den Energieinhalt von einem dieser beiden Randwirbel zur Erleichterung seiner eigenen Flugarbeit anzuzapfen.
Bekannt ist die Hypothese, dass der nachfolgende Vogel ein Aufwindfeld seines Vorfliegers nutzt (siehe Weblink 4). Es wird von dessen nach hinten ausgelegtem Randwirbel auf der Außenseite der Flugformation erzeugt. Dieser Aufwind ermöglicht es dem Folgevogel seinen eigenen Schub zu vergrößern, ohne selbst zusätzliche Flugarbeit zu leisten. Effektiver ist es aber für ihn, den Drehimpuls des ankommenden Randwirbels zur Reduzierung seines eigenen Flügelrandwirbels zu verwerten (siehe nebenstehendes Bild und Weblink 5).
Das Problem des Folgevogels ist die optimale Einstellung aller Abstände im dreidimensionalen Raum hinter dem vorausfliegenden Vogel. Er muss versuchen die Abstände zu den schlagenden Flügeln seines Vorfliegers so zu justieren, dass das richtige Wirbelstück des Vorfliegers im geeigneten Moment und an der optimalen Stelle bei ihm vorbeizieht. Er kann die beste Flugposition sicherlich fühlen, muss dabei jedoch auch Kompromisse machen. In der Theorie des Formationsfluges der Vögel sind dazu aber noch viele Fragen offen. Mehr darüber im Handbuch.
6. Weblinks
zur Schlagflügelthorie
- Matthias Neef, Zusammenfassung seiner Dissertation (2002):
http://www.biblio.tu-bs.de/ediss/data/20021021a/20021021a.html Kurzfassung seiner Dissertation:
http://www.tu-braunschweig.de/ism/forschung/ag-flzg/projekte-alt/schlagflug - Tatjana Hubel, Untersuchungen zur instationären Aerodynamik
an einem vogelähnlichen Flügelschlagmodell (2006):
http://tuprints.ulb.tu-darmstadt.de/800/ - Tyson L. Hedrick, Bret W. Tobalske and Andrew A. Biewener.
Estimates of circulation and gait change based on a three-dimensional kinematic analysis of flight in cockatiels (Nymphicus hollandicus) and ringed turtle-doves (Streptopelia risoria) (2002).
http://jeb.biologists.org/cgi/content/full/205/10/1389 - Malte Andersson and Johan Wallander, Kin selection and reciprocity in flight formation? (2004):
http://beheco.oxfordjournals.org/cgi/content/full/15/1/158 - NASA's autonomous formation flight: Follow the leader and save fuel (2001):
http://www.nasa.gov/centers/dryden/news/NewsReleases/2001/01-61.html
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